Briefträger

2007-11-16

Früher kam die Post einmal am Tag. Regelmäßig und fast so pünktlich wie die Uhr. Inzwischen sind es drei Briefträger, irgendwann am Tag Briefe in die Kästen werfen. Besser, man leert den Briefkasten erst abends. Es könnte ja noch ein vierter vorbei kommen.

Jedenfalls soll es billiger sein, wenn jetzt drei oder vier Menschen dasselbe machen, was früher einer schaffte. Sagen die Unternehmer den Politikern, und die sagen des dem Volk.

Als die DDR vor 17 Jahren in die Knie ging, erzählten dieselben Politiker, dass genau diese Überbeschäftigung zum Untergang Ostdeutschlands geführt habe. Im kommunistischen Deutschland waren in der Tat viele Jobs doppelt und dreifach besetzt. Jeder bekam seinen vollen Lohn. Prima Vollbeschäftigung, aber eben unwirtschaftlich. Soweit ganz logisch.

Aber genau dieser volkswirtschaftliche Fehler soll aber jetzt nicht nur für mehr Beschäftigung, sondern auch noch für billigere Preise sorgen. Konkurrenz belebt angeblich das Geschäft.

Und das, obwohl jetzt drei oder vier Konzerne eine jeweils eigene Infrastruktur und Verwaltung vorhalten müssen. Dass die Post jetzt auf noch mehr Lkw verteilt werden muss, die noch mehr Kohlendioxid in die Luft blasen, sei nur am Rande vermerkt. Und Gewinne müssen auch erwirtschaftet werden.

Kann jemand erklären, warum die Preise für die Produkte dieser Privatisierungskonstrukte billiger werden sollten? Welche Vorteile das für Verbraucher bringt – außer vielleicht mehr Werbemüll? Wie das mit den Zielen einer nachhaltigen Klimapolitik vereinbar ist?

Eins dürfte jetzt schon sicher sein: Bezahlen müssen die Mitarbeiter, denn wie es jetzt aussieht, werden sich wohl die zwei oder drei zusätzlichen Postboten ein einziges Gehalt teilen müssen.