oder: Boykottiert Siemens!
Merkel zeigt Verständnis für einen Boykott von Nokia, nachdem das finnische Unternehmen angekündigt hat, sein Werk in Deutschland zu schließen und mehr als 2.000 Mitarbeiter zu entlassen.
Zum Boykott aufgerufen haben: SPD-Chef Kurt Beck, Verbraucherschutzminister Horst Seehofer, SPD-Fraktionschef Peter Struck und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers.
Aber erinnert sich noch jemand an BenQ? An dieses taiwanische Unternehmen verkaufte Siemens pro forma seine Handysparte, die keinen Gewinn mehr abwarf. (Naja, diese Handys waren ja auch konkurrenzlos schlecht.)
Die Mitarbeiter bekamen eine Beschäftigungsgarantie von einem Jahr, der Siemensvorstand einen Gehaltszuschlag von 30 Prozent. Nach genau diesem einen Anstandsjahr ließ BenQ das Werk pleite gehen. Hier wurden 3.000 Mitarbeiter auf die Straße gesetzt.
Übrigens: Im Jahr 2000 schloss Siemens ein Werk In Finnland. 400 Mitarbeiter wurden frei gesetzt. Im Verhältnis zu den 5,2 Millionen Finnen würde das einer Entlassungsquote von um die 6.000 Mitarbeitern in Deutschland entsprechen.
Aber hat deshalb jemals ein Politiker zu einem Boykott von Siemens-Produkten aufgerufen? Das kam den Politikern nicht einmal in den Sinn, als das Ausmaß der Korruption bei Siemens in den vergangenen Jahren zunehmen das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Nein, kriminelle Unternehmen boykottiert man nicht, wenn sie deutsch sind! Deutschland, Deutschland über alles…
Dabei hat Siemens im Ausland längst mehr Mitarbeiter als in Deutschland. Motorola ist auch längst weg. Auch Volkswagen überlegt, sein nächstes Werk in den USA zu bauen, während BMW und Daimler ihre Produktion nach Asien verlagern wollen. Der Reifenhersteller Continental hat gerade seine Reifenproduktion in Hannover geschlossen, um jetzt in Osteuropa zu produzieren. Dabei war das Werk sogar profitabel, war aber eben doch nicht genug für die Geldgeier ab.
Ich weiß nicht, ob ich Deutschland wegen seiner verlogenen Politiker bemitleiden oder einfach vergessen soll. Aber die Deutschen sind ja selbst schuld, schließlich haben sie solche Hohlköpfe gewählt, die allesamt für die Globalisierung stehen. Auch die Mitarbeiter des Bochumer Nokia-Werkes. Also wundert ihr Deutschen euch bitte auch nicht, wenn es mal nach hinten los geht.
Im Übrigen: Was sind schon 2.000 Arbeitslose mehr? Nichts, in einem der reichsten Länder der Welt, das immer noch als Exportweltmeister gilt.
In Deutschland ist so viel Geld unterwegs, dass man mit Leichtigkeit den zehn Prozent Arbeitslosen ein genauso gutes Leben wie allen anderen ermöglichen könnte. Es ist ja schließlich nicht so, dass die Arbeitslosen nicht arbeiten wollen. Sie werden nur nicht gebraucht. Warum sie also mit Arbeitslosengeld und Sozialhilfe abspeisen? Das Geld in Deutschland reicht auch dann noch für ein gutes Leben für alle, wenn nur die Hälfte der Menschen arbeitet — oder alle nur die Hälfte.
Auch mal hier lesen: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/nokiaboykott2.html
Verfasst von Gomodsson