Rattenfänger der Wissenschaft

2007-10-25

Sie haben Spaß an wissenschaftlichen Experimenten und freuen sich über verblüffende Phänomen — aber werden sie deswegen Forscher?

„Fun“ soll Wissenschaft sein, Spaß machen. Wenn schon Kinder erleben, dass Forschung Spaß macht, studieren sie eines Tages auch eine Naturwissenschaft.

Das ist der feste Glaube vieler Forschungspolitiker und vor allem der Manager von Wissenschaftsmuseen. Letztere müssen das glauben, denn es eröffnet ihnen reichhaltige öffentliche Geldquellen.

Allein, der Beweis fehlt. Spaß ist Spaß, egal ob beim Fußballspiel, in der Disko oder sonstwo. Nur weil ein Jugendlicher Spaß am Lesen hat, wird er noch lange nicht die Karriere eines Schiftstellers einschlagen, oder weil ein Kind gerne singt, wird es sich noch nicht Opernsängerin werden wollen.

Im Gegenteil, ich bin vielen Dokoranden begegnet, die an der Wirklchkeit der Forschung verzweifeln. Das, was das Studium versprach, trat nicht ein. Bei der täglichen Kleinarbeit etwa, Hunderte von Probenröhrchen mit der Pipette zu befüllen, und anschließend über Zahlenreihen und Kurven zu brüten, um daraus winzig kleine Fortschritte abzuleiten, fühlen sich viele unterfordert. Bis sie ihr in langen Studienjahren erworbenes kombinatorisches Wissen wirklich einetzen können, vergehen oft Monate, in denen sie die Geduld verlieren.

Das Konzept, Kinder mit Spaß zur Forschung zu locken, dürfte zum Scheitern verurteilt sein. Ein kurzes Sensationserlebnis macht noch keinen Wissenschaftler.