Kein Boykott

2008-03-19

2008-03-19 Heute auf „Spiegel online“:

 

— Siemens gliedert 2100 Mitarbeiter aus

— T-Systems baut 3000 Stellen ab

 

Ruft da irgendjemand zum Boykott auf? Ich lese nichts davon. Aber so ein undeutsches Unternehmen, wie Nokia, ja, das ist etwas anderes. Da warfen einige Politker öffentlichkeitswirksam schnell ihr finnisches Handy weg und riefen zum Boykott auf.

 

Aber ich finde nirgends im Internet auch nur die kleinste Kritik an dem Gebahren der zwei großen deutschen Unternehmen.

 

Also doch wie früher: Deutschland, Deutschland über alles. Ein deutsches Unternehmen kritisiert man eben nicht.

 

Wann wacht ihr auf?


Mafia ist überall

2008-02-17

 

Ich habe es ja schon immer gesagt. Meine Freunde kennen meine Einstellung: Wer immer mit Wirtschaft zu tun hat, wer Unternehmer ist, agiert immer auch am Rande der Kriminalität, und für viele ist es leicht, die Grenze von der Legalität zur Illegalität zu überschreiten.

 

Die Beispiele in Deutschland sind unendlich: Siemens, Deutsche Bank (Akkermann), und jetzt die Aufdeckung der Steuerhinterziehungen hunderter wohlhabender Deutscher, die ihren Anfang im den ach so ehrbaren Postchef Zumwinkel nahm. 

 

Diese Grenze ist eine Definition, die der Gesetzgeber vorgibt. Und diese Grenze ist sowieso schon weit gesteckt, erlaubt vieles was moralisch und ethisch nicht legitim ist. Ehrbare Kaufleute sind ein Widerspruch in sich. Wer ehrbar ist, dem liegen seine Kunden am Herzen, er wird sie nicht über den Tisch ziehen und dadurch natürlich weniger Geld verdienen, manchmal auch gar nichts. Unternehmer sind heute nur so reich, weil sie ihren Kunden entweder Unnützes aufschwatzen oder sie einfach betrügen, indem sie ihnen Produkte verkaufen, in die von vornherein Fehler oder eine maximale Lebensdauer eingebaut sind. Oder sie sind schlicht und einfach überteuert, weil die Produzenten Kartelle bilden.

 


Ich weiß schon, warum ich aus der Bananenrepublik Deutschland abgehauen bin. 

 

/ Gomodsson


Nokia und Siemens – Zweierlei Maß

2008-01-19

oder: Boykottiert Siemens!

 

Merkel zeigt Verständnis für einen Boykott von Nokia, nachdem das finnische Unternehmen angekündigt hat, sein Werk in Deutschland zu schließen und mehr als 2.000 Mitarbeiter zu entlassen.

 

Zum Boykott aufgerufen haben: SPD-Chef Kurt Beck, Verbraucherschutzminister Horst Seehofer, SPD-Fraktionschef Peter Struck und der  nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers.

 

Aber erinnert sich noch jemand an BenQ? An dieses taiwanische Unternehmen verkaufte Siemens pro forma seine Handysparte, die keinen Gewinn mehr abwarf. (Naja, diese Handys waren ja auch konkurrenzlos schlecht.)

 

Die Mitarbeiter bekamen eine Beschäftigungsgarantie von einem Jahr, der Siemensvorstand einen Gehaltszuschlag von 30 Prozent. Nach genau diesem einen Anstandsjahr ließ BenQ das Werk pleite gehen. Hier wurden 3.000 Mitarbeiter auf die Straße gesetzt.

 

Übrigens: Im Jahr 2000 schloss Siemens ein Werk In Finnland. 400 Mitarbeiter wurden frei gesetzt. Im Verhältnis zu den 5,2 Millionen Finnen würde das einer Entlassungsquote von um die 6.000 Mitarbeitern in Deutschland entsprechen.

 

Aber hat deshalb jemals ein Politiker zu einem Boykott von Siemens-Produkten aufgerufen? Das kam den Politikern nicht einmal in den Sinn, als das Ausmaß der Korruption bei Siemens in den vergangenen Jahren zunehmen das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Nein, kriminelle Unternehmen boykottiert man nicht, wenn sie deutsch sind! Deutschland, Deutschland über alles…

 

Dabei hat Siemens im Ausland längst mehr Mitarbeiter als in Deutschland. Motorola ist auch längst weg. Auch Volkswagen überlegt, sein nächstes Werk in den USA zu bauen, während BMW und Daimler ihre Produktion nach Asien verlagern wollen. Der Reifenhersteller Continental hat gerade seine Reifenproduktion in Hannover geschlossen, um jetzt in Osteuropa zu produzieren. Dabei war das Werk sogar profitabel, war aber eben doch nicht genug für die Geldgeier ab.

 

Ich weiß nicht, ob ich Deutschland wegen seiner verlogenen Politiker bemitleiden oder einfach vergessen soll. Aber die Deutschen sind ja selbst schuld, schließlich haben sie solche Hohlköpfe gewählt, die allesamt für die Globalisierung stehen. Auch die Mitarbeiter des Bochumer Nokia-Werkes. Also wundert ihr Deutschen euch bitte auch nicht, wenn es mal nach hinten los geht.

 

Im Übrigen: Was sind schon 2.000 Arbeitslose mehr? Nichts, in einem der reichsten Länder der Welt, das immer noch als Exportweltmeister gilt.

 

In Deutschland ist so viel Geld unterwegs, dass man mit Leichtigkeit den zehn Prozent Arbeitslosen ein genauso gutes Leben wie allen anderen ermöglichen könnte. Es ist ja schließlich nicht so, dass die Arbeitslosen nicht arbeiten wollen. Sie werden nur nicht gebraucht. Warum sie also mit Arbeitslosengeld und Sozialhilfe abspeisen? Das Geld in Deutschland reicht auch dann noch für ein gutes Leben für alle, wenn nur die Hälfte der Menschen arbeitet — oder alle nur die Hälfte.


Auch mal hier lesen: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/nokiaboykott2.html 


Neid-Diskussion?

2007-12-16

Wenn es dem Volk gut ginge, würde es auf die Millionen-Gehälter arroganter Manager und die Millionen-Abfindungen von Totalversagern scheißen.

Nein, es ist keine Neid-Diskussion – es ist eine Armuts-Diskussion! Zwei Drittel des deutschen Privatvermögens hat sich auf den Konten von zehn Prozent der Deutschen angesammelt. Hätten die anderen 90 Prozent ein ordentliches Leben, würde keiner drüber reden.Dieses Geld ist natürlich dem Konsum entzogen ist, denn wer kann schon ein Millionen-Jahresgehalt ausgeben, wenn er sowieso mit angewachsenem Handy vom Bürostuhl in den Flugzeugsitz und zurück rutscht.

Das ist Geld, das die Sklaven für ihn geopfert haben, weil sie sich mit vielleicht drei Prozent Lohnerhöhung zufrieden geben mussten, während den Managern 30 Prozent gestattet sind.

Dabei beißen sich die Manager selbst in den Arsch, weil sie sich über mangelnde Inlandsnachfrage beschweren, die angeblich ihren Unternehmen zusetzt. Wenn die Sklaven kein Geld haben und keine Waschmaschinen kaufen können, gibt‘s halt oben die eine oder andere Million weniger. Soll der Staat doch die Steuern senken und dafür weniger Sozialhilfe auszahlen. Dann wird‘s schon wieder.

Denken ist wahrlich nicht die Stärke deutscher Manager. Brauchen sie auch nicht, solange sie ihre Seilschaften pflegen. Sorry: Networking betreiben und Synergien schaffen heißt das wohl.

Dabei sollten sie wissen, dass ein Parasit seinen Wirt nie auffrisst. Wenn der Wirt — die Arbeitssklaven — tot ist, stirbt auch der Parasit – die Manager.

Aber vielleicht schwächt die Klimaänderung ja die Abwehrkräfte so sehr, dass Wirt und Parasit schon viel früher an den Gasen eingehen, die ihre Atmosphäre unerträglich machen. Gase, zu deren Ausstoß die Parasiten ihre Wirte veranlassen.

Tja, im wahrsten Sinne des Wortes: Nicht das Geld regiert die Welt, sondern die Dummheit.

Dabei gibt es unter den Wirten viele schlaue Köpfe. Würden die Parasiten auf sie hören, hätten auch sie etwas davon. Nur wahrscheinlich nicht heute. Für Ressourcenverschwendung zahlt ja auch der Staat – also letzten Endes wieder die Sklaven.


Briefträger

2007-11-16

Früher kam die Post einmal am Tag. Regelmäßig und fast so pünktlich wie die Uhr. Inzwischen sind es drei Briefträger, irgendwann am Tag Briefe in die Kästen werfen. Besser, man leert den Briefkasten erst abends. Es könnte ja noch ein vierter vorbei kommen.

Jedenfalls soll es billiger sein, wenn jetzt drei oder vier Menschen dasselbe machen, was früher einer schaffte. Sagen die Unternehmer den Politikern, und die sagen des dem Volk.

Als die DDR vor 17 Jahren in die Knie ging, erzählten dieselben Politiker, dass genau diese Überbeschäftigung zum Untergang Ostdeutschlands geführt habe. Im kommunistischen Deutschland waren in der Tat viele Jobs doppelt und dreifach besetzt. Jeder bekam seinen vollen Lohn. Prima Vollbeschäftigung, aber eben unwirtschaftlich. Soweit ganz logisch.

Aber genau dieser volkswirtschaftliche Fehler soll aber jetzt nicht nur für mehr Beschäftigung, sondern auch noch für billigere Preise sorgen. Konkurrenz belebt angeblich das Geschäft.

Und das, obwohl jetzt drei oder vier Konzerne eine jeweils eigene Infrastruktur und Verwaltung vorhalten müssen. Dass die Post jetzt auf noch mehr Lkw verteilt werden muss, die noch mehr Kohlendioxid in die Luft blasen, sei nur am Rande vermerkt. Und Gewinne müssen auch erwirtschaftet werden.

Kann jemand erklären, warum die Preise für die Produkte dieser Privatisierungskonstrukte billiger werden sollten? Welche Vorteile das für Verbraucher bringt – außer vielleicht mehr Werbemüll? Wie das mit den Zielen einer nachhaltigen Klimapolitik vereinbar ist?

Eins dürfte jetzt schon sicher sein: Bezahlen müssen die Mitarbeiter, denn wie es jetzt aussieht, werden sich wohl die zwei oder drei zusätzlichen Postboten ein einziges Gehalt teilen müssen.